Schlaf vermessen: Was hinter dem Trend zur optimierten Nacht steckt
Schlaf vermessen ist der Trend zur optimierten Nacht. Was Tracker belegbar messen, wo sie vom Schlaflabor abweichen und wann die Messung selbst stört.
Hinter dem Trend „Schlaf und Regeneration in der Nacht“ steckt vor allem eine Verschiebung: Die Nacht ist vom Erlebnis zur Messgröße geworden. In einer Befragung der American Academy of Sleep Medicine unter 2.007 Erwachsenen in den USA gaben im Juni 2025 56 Prozent an, einen der viralen Schlaf-Trends ausprobiert zu haben; 48 Prozent haben bereits ein Gerät zur Schlafmessung genutzt, gegenüber 35 Prozent in derselben Reihe im Jahr 2023. Was dabei auf dem Display erscheint, ist belastbarer, als Skeptiker sagen, und schwächer, als die Zahl aussieht: Die Unterscheidung Schlaf gegen Wach gelingt handelsüblichen Geräten gut, die Aufteilung in Schlafstadien nicht zuverlässig. Eine Metaanalyse aus 24 Studien mit 798 Teilnehmenden fand, dass Armbandgeräte die Schlafzeit im Mittel um rund 17 Minuten unterschätzen. Und es gibt eine Nebenwirkung mit eigenem Namen: Orthosomnie, das Streben nach perfekten Messwerten, das den Schlaf verschlechtern kann. Dieser Artikel ordnet ein, was die Vermessung der Nacht zeigt — und was sie nicht zeigt.
Was „Sleepmaxxing“ bezeichnet
Sleepmaxxing ist der Sammelbegriff für das gezielte Investieren in Produkte und Routinen, mit denen die eigene Schlafqualität optimiert werden soll. Der Begriff stammt aus sozialen Netzwerken und beschreibt keine medizinische Kategorie, sondern ein Konsum- und Selbstoptimierungsmuster.
Wie verbreitet das ist, lässt sich beziffern. Die American Academy of Sleep Medicine ließ im Juni 2025 durch das Institut Atomik Research 2.007 Erwachsene in den USA befragen (Fehlertoleranz ±2 Prozentpunkte). Ergebnis: 56 Prozent hatten mindestens einen der aktuellen Schlaf-Trends ausprobiert. Auf Sleepmaxxing im engeren Sinn entfielen dabei 12 Prozent — deutlich weniger, als die Sichtbarkeit des Begriffs vermuten lässt.
Bemerkenswert ist die Altersverteilung. Unter den 18- bis 24-Jährigen hatten 73 Prozent einen solchen Trend ausprobiert, bei den über 65-Jährigen 31 Prozent. Sleepmaxxing selbst nannten 13 Prozent der 18- bis 24-Jährigen und 3 Prozent der über 65-Jährigen. Der Trend ist also real, aber jung und in der Breite kleiner als sein Echo.
Ein Hinweis zur Einordnung, der in vielen Aufgriffen fehlt: Diese Zahlen stammen aus einer US-Stichprobe. Eine methodisch vergleichbare Erhebung für Deutschland ließ sich bei der Recherche zu diesem Artikel nicht finden. Die Werte beschreiben den US-Markt und werden hier nicht als deutsche Zahlen ausgegeben.
Wie schnell die vermessene Nacht Alltag wurde
Ein Schlaftracker ist ein Gerät, das Bewegungs-, Puls- oder Atemsignale aufzeichnet und daraus per Algorithmus auf Schlaf schließt. Er misst den Schlaf nicht direkt, sondern über Stellvertretergrößen.
Die Verbreitung hat sich in kurzer Zeit verschoben. In der Befragungsreihe der American Academy of Sleep Medicine gaben im November 2023 35 Prozent der Erwachsenen an, ein elektronisches Gerät zur Schlafmessung genutzt zu haben. In der Erhebung vom Juni 2025 waren es 48 Prozent — bei vergleichbarer Methodik und Stichprobengröße. Innerhalb von rund zwei Jahren stieg der Anteil damit um 13 Prozentpunkte.
Welche Geräte dabei zum Einsatz kommen, zeigt die Aufschlüsselung aus derselben Erhebung:
| Gerät | Anteil der Befragten |
|---|---|
| Smartphone mit App | 23 % |
| Smartwatch | 20 % |
| Fitnessarmband | 13 % |
| Gerät auf dem Nachttisch | 8 % |
| Smartes Bett oder Matratze | 8 % |
| Ring | 7 % |
| Sensormatte oder Auflage | 6 % |
| keines davon | 52 % |
Zwei Dinge fallen auf. Erstens bleibt die Mehrheit — 52 Prozent — bei keinem Gerät; bei den über 65-Jährigen sind es 81 Prozent. Zweitens ist das meistgenutzte Messgerät kein Spezialgerät, sondern das Smartphone. Es liegt ohnehin neben dem Bett, und genau daraus entsteht die Messung.
Wie lang in Deutschland tatsächlich geschlafen wird
Kurze Schlafdauer bezeichnet in der amtlichen Statistik eine Schlafzeit unterhalb der für Erwachsene empfohlenen sieben Stunden. Sie beschreibt die Menge des Schlafs, nicht seine Qualität.
Für Deutschland liegt dazu eine aktuelle Erhebung vor. Das Robert Koch-Institut veröffentlichte im August 2026 Ergebnisse der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA 2023), einer telefonischen Befragung von 8.026 Erwachsenen zwischen Mai 2023 und Februar 2024. Der Kernbefund im Wortlaut der Autorinnen und Autoren:
„Eine kurze Schlafdauer zeigt sich an Wochentagen bei 39,6 % der erwachsenen Bevölkerung. Männer weisen häufiger als Frauen eine kurze Schlafdauer auf, insbesondere Männer im Alter von 45 bis 64 Jahren (53,0 %).“
— Kaufholdová, Richter, Saß, Schienkiewitz: Welche Bevölkerungsgruppen schlafen eher zu wenig?, Journal of Health Monitoring, Robert Koch-Institut, 2026
Am Wochenende sinkt der Anteil auf 22,7 Prozent. Die Zahl beschreibt damit weniger ein durchgehendes Schlafdefizit als eine werktägliche Verkürzung, die sich am freien Tag teilweise ausgleicht.
Was diese Erhebung nicht beantwortet, ist die Frage nach der Ursache. Sie misst Dauer, nicht Auslöser, und sie trifft keine Aussage über Geräte, Bildschirme oder Trends. Wer die deutsche Zahl als Beleg für eine bestimmte Erklärung heranzieht, geht über das hinaus, was erhoben wurde.
Was ein Schlaftracker am Handgelenk wirklich misst
Aktigrafie ist die Ableitung von Schlaf und Wachheit aus Bewegungsdaten, meist ergänzt um die Pulsfrequenz. Kein handelsübliches Armbandgerät misst Hirnströme; die Zuordnung erfolgt rechnerisch.
Wie gut das gelingt, hat eine Untersuchung im Fachjournal SLEEP im Labor geprüft. 34 gesunde Erwachsene schliefen drei Nächte lang unter voller Polysomnographie — der apparativen Referenzmessung mit Hirnstrom-, Augenbewegungs- und Muskelableitung — und trugen dabei sieben handelsübliche Geräte gleichzeitig.
Das Ergebnis fällt zweigeteilt aus:
- Schlaf erkennen: gut. Die Sensitivität lag bei allen sieben Geräten bei mindestens 0,93. Wenn jemand schläft, bemerken die Geräte das zuverlässig.
- Wachsein erkennen: schwach. Die Spezifität lag zwischen 0,18 und 0,54. Kurze nächtliche Wachphasen werden häufig als Schlaf verbucht.
Diese Asymmetrie erklärt eine verbreitete Alltagsbeobachtung: Wer nachts wachliegt und morgens eine gute Schlafzahl sieht, hat meist kein defektes Gerät vor sich, sondern die bekannte Schwäche dieser Messart. Bewegungsloses Wachliegen ähnelt aus Sicht eines Bewegungssensors dem Schlaf.
Wo die Messung vom Schlaflabor abweicht
Die Polysomnographie gilt als Referenzverfahren der Schlafmedizin; Abweichungen von ihr werden als mittlere Differenz in Minuten angegeben. Eine Metaanalyse fasste 2025 im Journal of Clinical Sleep Medicine 24 Studien mit insgesamt 798 Teilnehmenden zusammen und verglich Armbandgeräte mit dieser Referenz.
| Kennwert | Mittlere Abweichung gegenüber dem Labor |
|---|---|
| Gesamtschlafzeit | −16,9 Minuten (unterschätzt) |
| Schlafeffizienz | −4,7 Prozentpunkte |
| Einschlafdauer | +2,6 Minuten |
| Wachzeit nach dem Einschlafen | +13,3 Minuten |
Die Größenordnung ist die eigentliche Botschaft. Eine Abweichung von rund einer Viertelstunde bei der Gesamtschlafzeit ist für die Frage „schlafe ich ungefähr genug?“ unerheblich. Für die Frage „war diese Nacht besser als die letzte?“ ist sie es nicht, denn der Unterschied zwischen zwei Nächten liegt oft in derselben Größenordnung wie der Messfehler.
Die Autorinnen und Autoren ziehen daraus einen zurückhaltenden Schluss: Die Geräte seien nicht so verlässlich wie die Polysomnographie, könnten aber nützlich sein, um allgemeine Schlafmuster über längere Zeiträume zu verfolgen. Ein Trend über vier Wochen trägt also weiter als der Wert einer einzelnen Nacht. Eine Einschränkung nennt die Arbeit ausdrücklich selbst: Die Genauigkeit der Schlafstadien war nicht Gegenstand dieser Auswertung.
Warum Schlafstadien die schwächste Zahl auf dem Display sind
Schlafstadien bezeichnen die Einteilung der Nacht in Leichtschlaf, Tiefschlaf und REM-Schlaf. Klassisch werden sie anhand von Hirnstrommustern bestimmt — also anhand eines Signals, das ein Armband nicht erfasst.
Genau hier war der Laborbefund am deutlichsten. Die oben genannte Untersuchung mit sieben Geräten kommt zu einem knappen Urteil:
„Device sleep stage assessments were inconsistent.“
(„Die Einschätzung der Schlafstadien durch die Geräte war uneinheitlich.“)
— Chinoy u. a.: Performance of seven consumer sleep-tracking devices compared with polysomnography, SLEEP 44(5), 2021
Im Detail überschätzten sämtliche geprüften Geräte den Leichtschlaf, mit Ausnahme eines Geräts, das ihn unterschätzte. Drei Geräte wichen beim Tiefschlaf signifikant ab, jeweils nach oben; drei weitere beim REM-Schlaf, jeweils nach unten.
Praktisch heißt das: Die Tiefschlaf-Minuten auf dem Display sind die am wenigsten belastbare Zahl der ganzen Anzeige — und häufig diejenige, die morgens am aufmerksamsten gelesen wird. Der internationale Fachverband World Sleep Society hat 2025 in einer Empfehlung zu tragbaren Geräten genau das aufgegriffen und einheitliche, offengelegte Basiswerte gefordert, klar getrennt von herstellereigenen Kennzahlen wie einem „Schlaf-Score“, deren Berechnung nicht offenliegt. Der Nutzen solcher Geräte, so die Arbeitsgruppe, werde in der Fachwelt weiterhin diskutiert.
Orthosomnie: wenn die Messung selbst den Schlaf stört
Orthosomnie bezeichnet die übermäßige Beschäftigung mit der Verbesserung oder Perfektionierung der eigenen Schlafdaten. Der Begriff wurde 2017 von einer Arbeitsgruppe um Kelly Glazer Baron im Journal of Clinical Sleep Medicine geprägt, die drei Patientenfälle beschrieb:
„We termed this condition ‚orthosomnia,‘ with ‚ortho‘ meaning straight or correct, and ‚somnia‘ meaning sleep, because patients are preoccupied or concerned with improving or perfecting their wearable sleep data.“
(„Wir nannten diesen Zustand ‚Orthosomnie‘, wobei ‚ortho‘ für gerade oder richtig steht und ‚somnia‘ für Schlaf, weil die Patienten damit beschäftigt oder davon beunruhigt sind, ihre Schlafdaten aus dem Wearable zu verbessern oder zu perfektionieren.“)
— Baron, Abbott, Jao, Manalo, Mullen: Orthosomnia: Are Some Patients Taking the Quantified Self Too Far?, J Clin Sleep Med 13(2), 2017
Die Autorinnen und Autoren beschreiben den Kern des Problems: Für die Betroffenen fühlten sich die Trackerdaten stimmiger an als die apparative Messung — auch dort, wo die Geräte nachweislich ungenau sind.
Wie häufig das vorkommt, hat 2024 eine Querschnittsstudie in Brain Sciences untersucht. Von 523 Befragten nutzten 35,8 Prozent regelmäßig ein Schlaf-Wearable; je nach Definition ergaben sich Häufigkeiten von 3,0 Prozent (eng gefasst), 8,6 Prozent (mittel) und 14,0 Prozent (weit gefasst). Diese Spanne ist mit Vorsicht zu lesen: Die Stichprobe war jung (Median 21 Jahre) und zu 81 Prozent weiblich, also nicht bevölkerungsrepräsentativ.
Auch die Fachgesellschaft selbst benennt die Doppelnatur. Shalini Paruthi, Sprecherin der American Academy of Sleep Medicine, sagte im Januar 2026:
„Sleep trackers can be valuable tools for raising awareness about sleep health and motivating positive changes in sleep habits. However, it's important that tracking enhances sleep and doesn't cause more stress about it.“
(„Schlaftracker können wertvolle Werkzeuge sein, um das Bewusstsein für Schlafgesundheit zu wecken und zu positiven Veränderungen der Schlafgewohnheiten zu motivieren. Wichtig ist allerdings, dass die Messung den Schlaf verbessert und nicht zusätzlichen Stress darüber erzeugt.“)
— Shalini Paruthi, American Academy of Sleep Medicine, Januar 2026
Als diagnostisches Instrument sind diese Geräte ausdrücklich nicht vorgesehen: Bereits 2018 hielt ein Positionspapier derselben Fachgesellschaft fest, dass Konsumententechnik mangels Validierung und behördlicher Zulassung nicht zur Diagnose oder Behandlung von Schlafstörungen verwendet werden kann. Wer den Eindruck hat, dass die eigene Nachtruhe belastet ist, klärt das ärztlich — nicht über eine App und nicht über diesen Artikel.
Was das Gerät neben dem Bett sonst noch tut
Ein Smartphone im Standby ist kein ausgeschaltetes Gerät. Es bleibt über die Nacht im Mobilfunknetz eingebucht und nimmt dabei immer wieder kurz Kontakt zur Funkzelle auf — in Armweite vom Kopf, weil es dort geladen wird und morgens weckt. Eine Befragung von Bitkom Research unter 1.007 Personen ergab 2024, dass 77 Prozent ihr Smartphone am liebsten nachts laden.
Bei der Häufigkeit dieser Funkkontakte lohnt Genauigkeit. Das Bundesamt für Strahlenschutz beschreibt ein Handy im Standby-Modus auf dem Nachttisch so, dass es „nur selten und ganz kurz“ Kontakt zur Mobilfunkanlage aufnimmt und die davon ausgehende Strahlung „vernachlässigbar“ sei. Über die Nacht verteilt finden solche Kontakte statt — von einem durchgehenden Senden lässt sich nach dieser Darstellung jedoch nicht sprechen.
Zur Beleglage äußert sich dieselbe Behörde mit Stand vom 30. Januar 2026 ebenfalls klar:
„Weder in experimentellen Studien an Testpersonen noch in Beobachtungsstudien an Menschen konnte ein Zusammenhang zwischen hochfrequenten elektromagnetischen Feldern von Mobiltelefonen oder Mobilfunkbasisstationen und Schlafstörungen [...] nachgewiesen werden.“
— Bundesamt für Strahlenschutz: Wissenschaftlich diskutierte biologische und gesundheitliche Wirkungen hochfrequenter Felder, Stand 30.01.2026
Damit ist die Sachlage beschrieben, und sie wird hier nicht zu einer Warnung ausgebaut: Das Gerät funkt in Abständen, und ein gesundheitlicher Effekt unterhalb der Grenzwerte ist wissenschaftlich nicht belegt. Interessant bleibt es für dieses Thema aus einem anderen Grund — dasselbe Gerät, das nachts neben dem Kopf liegt, ist bei 23 Prozent der Befragten zugleich das Messinstrument, dessen Zahlen am Morgen den Ausschlag geben. Wer den Flugmodus nutzt, reduziert die Aussendung; die Weck- und je nach App auch die Messfunktion bleiben dabei in der Regel erhalten.
Wie Qi Blanco mit dem Thema umgeht
Für dieses Haus gilt eine einfache redaktionelle Regel: Wir erklären Mechanismen und behaupten keine Wirkung, die wir nicht belegen können. Deshalb steht in diesem Artikel kein Produkt als Antwort auf eine unruhige Nacht, und es wird keine Aussage darüber getroffen, dass ein getragenes Objekt Schlaf verbessert. Was Qi Blanco baut, ist ein Erlebnis im Alltag — der Schmuck ist dabei das Vehikel, nicht der Wert.
Zur Offenheit gehört auch, wie dieses Thema auf die Liste kam. Das eigene Trendregister meldete „Schlaf und Regeneration in der Nacht“ mit einer Trendstärke von 30 von 100 und vermerkte dazu ausdrücklich ein schwaches Signal: Es liegen 3 von 52 möglichen Beobachtungsperioden vor, der CUSUM-Wert steht bei 0,00 bei einer Schwelle von 4,5, ein Vorjahresvergleich ist damit unbestimmt. Ein solcher Vergleich wäre an dieser Stelle eine Behauptung und keine Messung. Die zeitliche Einordnung dieses Artikels stützt sich deshalb auf geprüfte fremde Reihen — die Befragungsreihe der American Academy of Sleep Medicine und die GEDA-Erhebung des Robert Koch-Instituts —, nicht auf die eigene Kennzahl.
Die Studienlage zu unseren eigenen Themen führen wir offen in der Studien-Übersicht.
Häufige Fragen
Sind Schlaftracker sinnlos?
Nein. Bei der Unterscheidung zwischen Schlaf und Wachsein erreichen handelsübliche Geräte eine Sensitivität von mindestens 0,93, und für Muster über Wochen sind sie brauchbar. Schwach sind sie bei kurzen Wachphasen (Spezifität 0,18 bis 0,54) und bei den Schlafstadien.
Welche Zahl auf dem Display ist am wenigsten verlässlich?
Die Schlafstadien, besonders der Tiefschlaf. Im Laborvergleich mit sieben Geräten fielen die Stadien-Einschätzungen uneinheitlich aus; herstellereigene Sammelwerte wie ein „Schlaf-Score“ sind zusätzlich nicht offengelegt.
Wie stark weicht ein Armbandgerät vom Schlaflabor ab?
In der Metaanalyse aus 24 Studien mit 798 Teilnehmenden unterschätzten Armbandgeräte die Gesamtschlafzeit im Mittel um 16,9 Minuten und überschätzten die Wachzeit nach dem Einschlafen um 13,3 Minuten.
Was ist Orthosomnie?
Die übermäßige Beschäftigung mit der Perfektionierung der eigenen Schlafdaten. Der Begriff wurde 2017 anhand von drei Patientenfällen geprägt; eine Erhebung von 2024 fand je nach Definition Häufigkeiten zwischen 3,0 und 14,0 Prozent in einer allerdings jungen, überwiegend weiblichen Stichprobe.
Kann ein Tracker eine Schlafstörung feststellen?
Nein. Ein Positionspapier der American Academy of Sleep Medicine von 2018 hält fest, dass Konsumententechnik mangels Validierung und behördlicher Zulassung nicht zur Diagnose oder Behandlung eingesetzt werden kann. Diese Einordnung nimmt ärztliches Fachpersonal vor.
Kernaussagen
- Der Trend zur vermessenen Nacht ist belegt: In der US-Befragungsreihe stieg der Anteil der Erwachsenen mit Schlafmessgerät von 35 Prozent (2023) auf 48 Prozent (Juni 2025); zugleich nutzen 52 Prozent kein solches Gerät.
- Sleepmaxxing ist sichtbarer als verbreitet: 12 Prozent der 2.007 Befragten gaben es an, gegenüber 56 Prozent für Schlaf-Trends insgesamt.
- Vergleichbare Zahlen für Deutschland ließen sich nicht finden; die genannten Anteile beschreiben den US-Markt.
- Für Deutschland belegt ist die Schlafdauer: 39,6 Prozent der Erwachsenen schlafen werktags kurz, am Wochenende 22,7 Prozent (GEDA 2023, 8.026 Befragte).
- Tracker erkennen Schlaf zuverlässig (Sensitivität mindestens 0,93), Wachphasen deutlich schlechter (Spezifität 0,18 bis 0,54).
- Die Abweichung zum Schlaflabor liegt bei rund 17 Minuten Schlafzeit — zu wenig, um die grobe Frage zu stören, zu viel für den Vergleich zweier einzelner Nächte.
- Schlafstadien sind die schwächste Angabe auf dem Display; der Fachverband World Sleep Society fordert seit 2025 offengelegte, einheitliche Basiswerte.
- Orthosomnie beschreibt den Fall, in dem die Messung selbst zur Belastung wird — sie ist der Grund, den Wochentrend höher zu gewichten als den Wert einer Nacht.
- Das Smartphone neben dem Bett ist bei 23 Prozent zugleich Messgerät und Funkgerät; es nimmt laut Bundesamt für Strahlenschutz im Standby „nur selten und ganz kurz“ Kontakt zur Funkzelle auf, und ein Effekt unterhalb der Grenzwerte ist nicht belegt.
Quellen und weiterführende Literatur
- American Academy of Sleep Medicine: AASM Sleep Prioritization Survey — Social Media Sleep Trends. Befragung von 2.007 Erwachsenen durch Atomik Research, 5.–13. Juni 2025. Datenblatt als PDF
- American Academy of Sleep Medicine: AASM Sleep Prioritization Survey — Using Sleep Tracking Devices. Erhebung Juni 2025, veröffentlicht Januar 2026. Datenblatt als PDF
- American Academy of Sleep Medicine: One in three Americans have used electronic sleep trackers. Mitteilung vom 15. November 2023. Meldung der AASM
- American Academy of Sleep Medicine: Sleep tracking and sleepmaxxing change bedtime behaviors. Mitteilung vom 26. Januar 2026, mit Zitat von Shalini Paruthi. Meldung der AASM
- Evan D. Chinoy u. a.: Performance of seven consumer sleep-tracking devices compared with polysomnography. SLEEP 44(5), zsaa291, 2021. DOI: 10.1093/sleep/zsaa291. Volltext bei PubMed Central
- Young Jeong Lee u. a.: Performance of consumer wrist-worn sleep tracking devices compared to polysomnography: a meta-analysis. Journal of Clinical Sleep Medicine 21(3), Seiten 573–582, März 2025. DOI: 10.5664/jcsm.11460. Volltext bei PubMed Central
- Kelly Glazer Baron u. a.: Orthosomnia: Are Some Patients Taking the Quantified Self Too Far? Journal of Clinical Sleep Medicine 13(2), Seiten 351–354, 2017. DOI: 10.5664/jcsm.6472. Volltext bei PubMed Central
- Haitham Jahrami u. a.: Prevalence of Orthosomnia in a General Population Sample: A Cross-Sectional Study. Brain Sciences 14(11), 1123, 2024. DOI: 10.3390/brainsci14111123. Volltext bei PubMed Central
- Seema Khosla u. a.: Consumer Sleep Technology: An American Academy of Sleep Medicine Position Statement. Journal of Clinical Sleep Medicine 14(5), Seiten 877–880, 2018. DOI: 10.5664/jcsm.7128. Volltext bei PubMed Central
- Michael W. L. Chee u. a. (World Sleep Society Sleep Tracker Task Force): World Sleep Society recommendations for the use of wearable consumer health trackers that monitor sleep. Sleep Medicine 131, 106506, Juli 2025. DOI: 10.1016/j.sleep.2025.106506
- Zuzana Kaufholdová, Antje Richter, Anke-Christine Saß, Anja Schienkiewitz: Welche Bevölkerungsgruppen schlafen eher zu wenig? Ergebnisse der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA 2023). Journal of Health Monitoring, Robert Koch-Institut, August 2026. Telefonische Befragung von 8.026 Erwachsenen. Volltext im RKI-Repositorium
- Bundesamt für Strahlenschutz: Wissenschaftlich diskutierte biologische und gesundheitliche Wirkungen hochfrequenter Felder. Stand 30. Januar 2026. Seite des BfS
- Bundesamt für Strahlenschutz: Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf Gehirnaktivität und Schlaf. Stand 2. Juli 2026. Seite des BfS
- Bitkom e. V.: Drei Viertel laden ihr Smartphone in der Nacht. Befragung von 1.007 Personen durch Bitkom Research, 2024. Presseinformation
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